5 Tipps für mehr Bewegung im Pferdeleben

Viele Pferde stehen immer noch viel zu viel herum. Der gesamte Pferdeorganismus ist aber auf Bewegung ausgelegt: Atemwege, Bewegungsapparat, natürlich die Hufe, aber auch Verdauung und Psyche können davon profitieren, wenn du es schaffst mehr Bewegung in das Leben deines Pferdes zu integrieren. Außerdem kämpfen viele mit dem Übergewicht ihrer Pferde, was zum Teil schon arg gesundheitsgefährdend ist.

Nicht jeder schafft es sein Pferd täglich viel zu bewegen und ein Training kann auch nicht die natürliche freie Bewegung ersetzen, die den Alltag eines wildlebenden Pferd ausmacht. Daher möchten wir dir ein paar Tipps geben wie du für mehr Bewegung sorgen kannst, aber mit minimalem Aufwand und so dein Pferd in seiner Freizeit schon einen Großteil seiner Laufleistung absolviert. Es erfordert ein wenig Einsatz von dir, aber nichts im Vergleich zu dem Nutzen für dein Pferd.  Training ohne deine direkte Anwesenheit – wie klingt das?


#1: Auslauf strukturieren

Selbst wenn mittlerweile schon viel mehr Pferde in Offenställen oder auf Paddocks wohnen, erleben wir es trotzdem häufig, dass sie sich nicht wirklich bewegen. Die Futterraufe steht direkt auf dem Platz vor dem Unterstand und das Wasser befindet sich auch nur wenige Meter entfernt. Grundsätzlich verständlich, da so die Arbeit für uns Menschen möglichst einfach ist. Aber die Pferde laufen oft nicht viel mehr als in einer Box. Dabei wollten wir doch alles besser machen?!

Hier hilft es den Auslauf zu strukturieren, die Funktionsbereiche zu trennen. Welche Funktionsbereiche habt ihr bei euch? Wie könnt ihr sie so anordnen, dass die Pferde mehr in Bewegung kommen? Auf der anderen Seite hilft es auch, dass die Pferde sich nicht nur von Bereich zu Bereich mehr bewegen, sondern auch besser entspannen können und die Herde harmonischer zusammenleben kann, wenn der Ruhebereich zum Beispiel nicht direkt neben der Futterraufe ist – und auch die Entspannung ist eben wichtig zur Regeneration. 

#2: Wege verlängern

Wenn du den Auslauf strukturierst, kannst du außerdem schauen, wie du Wege verlängern kannst. Hier geht es nicht darum die Wege möglichst lang anzulegen, sondern möglichst sinnvoll, damit die Pferde sie auch gehen. Zu lange langweilige Wege fördern die Bewegung genauso wenig wie zu komplizierte verwinkelte Wege. Versuch also den Fokus darauf zu legen, dass die Wege genutzt werden.

Grundsätzlich gilt hier, dass Pferde schmalere Passagen schneller passieren als breite und es nicht zu gefährlichen Engpässen oder Sackgassen kommen darf. Wie breit die Wege sein sollten, hängt dabei von der Gruppengröße, –Zusammensetzung und der Häufigkeit der Eingliederungen ab. Bei uns haben sich Wege zwischen 4 und 6 Metern als gut erwiesen. Dabei wechseln sich schmalere Wege und weitere Flächen (Buchten) ab, damit alle Pferde einander entspannt aus dem Weg gehen können. Auf Weiden kannst du zum Beispiel erstmal grob den Weg außen herum planen und dann überlegen, wo Buchten hinkommen und wie du diese interessant machst, z.B. durch Knabberäste. Auch auf kleineren Paddocks kannst du Wege verlängern, indem du zum Beispiel mit Raumteilern arbeitest. Das können Totholzhecken oder -haufen sein oder einfach ein Baumstamm oder ein Stück Zaun. Versuche aus dem was du hast, das Beste herauszuholen.

#3: Fressstellen und Heuverteilung

Eines der größten Mankos in der Pferdehaltung sind aus unserer Sicht die ständig vollen Heuraufen, um die sich die Pferde die Beine in den Bauch stehen und weder die Fresshaltung optimal ist, noch irgendein Anreiz zur natürlichen Futteraufnahme im Vorwärtsschritt besteht. Daher sind wir Fans von vielen Futterstellen.

Vielleicht klappt es nicht immer und überall, aber bestimmt findest du bei euch die Möglichkeit zumindest ab und an das Futter an mehreren Stellen anzubieten oder vielleicht sogar dauerhaft. Die Pferde werden so eher dazu animiert mal zwischen den Fressplätzen zu wechseln und es kommen mehr Meter zusammen als du vielleicht erstmal so denkst.

Noch eine Steigerung wäre dann, das Heu verteilen. Das geht nur bei entsprechendem Wetter und Bodenbedingungen, aber bringt noch viel mehr Bewegung. Probier es mal aus, dass du einen Teil der Heuration in kleinen Häufchen wirklich überall im Paddock (wo es gefahrlos geht, bitte nicht im Sand) zu verteilen. Wenn du Zeit hast, beobachte die Pferde mal eine Weile. Es ist total schön zu sehen wie sie von einem zum anderen Häufchen wandern und Runde um Runde ziehen. Dabei laufen sie in einer natürlichen Fresshaltung und sind mit der gleichen Menge Heu deutlich länger beschäftigt als wenn es nur an einem Futterplatz angeboten wird.

Auch wenn du nicht über einen kilometerlangen Trail verfügst, kannst du dein Pferd zu mehr Bewegung animieren. Unsere Reha-Station hat vergleichsweise wenig Fläche, durch die Anordnung der Funktionsbereiche und die Verteilung des Heus auf unterschiedliche Stellen absolvieren die Pferde hier täglich quasi von allein ein gesundes Bewegungsprogramm.

#4: Fresspausen

Der eine oder andere wird hier vielleicht schon Herzrasen bekommen und die Magengeschwüre sehen, aber wir erleben hier im Moment ein bisschen viel Schwarz-Weiß-Denken. Mittlerweile ist die Praxis, dass Pferde nur ein oder zweimal am Tag eine Portion Heu bekommen und die restlichen 20 Stunden leerstehen glücklicherweise weitestgehend überholt. Aber der Wille die Pferde artgerechter zu halten, hat leider dazu geführt, dass vielen Pferden nun 24/7 Heu angeboten wird, was zu anderen gesundheitlichen Problemen wie Fettleibigkeit und deren Folgen führen kann. 

Es gibt Pferde für die das funktioniert, die meisten bekommen aber durch dieses gut gemeinte Mangement wirklich gravierende Probleme, zudem mittlerweile über 60% der Pferde eine genetische Disposition zur Insulinresistenz und somit ein höheres Hufreherisiko haben.

Fresspausen sind total in Ordnung. Fresspausen vom Heu können auch mit Knabberästen überbrückt werden, aber selbst eine komplette Fresspause ist total in Ordnung, wenn sie nicht länger als vier Stunden ist. Freilebende Pferde fressen nicht den ganzen Tag und schon gar nicht so konzentriertes Futter mit zusätzlich so wenig Bewegung. Also, hab keine Sorge, wenn das Heu auch mal leer ist, hier ist ein gutes Management entscheidend, dass diese Leerphasen eben in einem gesunden Rahmen bleiben. Eine rationierte Fütterung hilft aber nicht nur bei den Dauerfressern, dass sie eher abnehmen können, sondern sorgt eben auch für mehr Bewegung. Denn wenn das Heu leer ist, fangen die Pferde oft an herumzustromern und legen so wieder einige Meter zusätzlich zurück. Das tun die meisten deutlich weniger, wenn sie ständig futtern können. Dann treten sie oft nur ein paar Schritte zurück zum Schlafen und Trinken, um dann irgendwann wieder zu fressen.

Wir haben bei uns die Fresspausen so eingebaut: Eigentlich haben die Pferde immer Heu zur Verfügung, aber wir haben mehrere Futterstellen, die durch einen Trail verbunden sind. Das heißt, die Pferde müssen erst eine Strecke zurücklegen, um zum nächsten Futterplatz zu kommen. Manchmal weiten sie selbständig die Leerzeiten sogar mehr aus als wir es uns wünschen, weil sie z.B. unterwegs auf dem Trail trödeln, schlafen/dösen oder gerne etwas länger im Schatten verweilen, Probleme haben sie deswegen trotzdem nicht. Also auch ab und an mal eine etwas längere Fresspause schadet den meisten Pferden nicht. Zudem haben wir einige Totholzhaufen und Baumstämme, an denen sie nach Belieben knabbern können. Hier ist lediglich bei Pferden mit Hufrehe zu beachten, dass sie keine Knabberäste mit Laub oder Rinde fressen sollten, hier können recht hohe Zuckergehalte enthalten sein.

#5: Erlebniselemente

Definitv einer unserer Lieblingspunkte und ein riesen Potenzial für Ponyglücksmomente, mehr Bewegung und viel Kreativitätsentfaltung für uns Pferdebesitzer. Wenn ein Auslauf langweilig ist, warum sollte ein Pferd sich bewegen? Sorg für Abwechslung, dann macht es für dein Pferd auch Sinn die Dinge zu erkunden und es bewegt sich von ganz allein. Ein paar Ideen hatten wir ja schon erwähnt.

Hier nochmal einige Beispiele:

  • Totholzhecke oder Totholzhaufen
  • Knabberhecke
  • Baumstämme
  • Steinhaufen
  • Hügel
  • Stufen
  • verschiedene Untergründe (gern zusammen passend)
  • Wälzplatz
  • Kieswege
  • Kratzbäume

Diese Elemente kannst du natürlich super nutzen, um den Auslauf zu strukturieren, Wege zu verlängern, Fresspausen mit Aktivität zu füllen und dein Pferd zur Bewegung zu animieren.

Und warum jetzt nochmal für Bewegung sorgen?

Hufe entwickeln sich nur, wenn sie einen Wechsel aus Druck und Entlastung erfahren. Genau das passiert bei jedem Schritt. Atemwege und Verdauung sind auf Bewegung angewiesen, um richtig gut zu funktionieren. Der Bewegungsapparat eines Pferdes ist auf kontinuierliche langsame Bewegung optimiert. Und am Ende sind die Pferde einfach viel glücklicher, wenn die Haltung artgerecht ist, sie gesünder und fitter sind – und auch für uns macht es das Leben mit unseren Pferden noch ein bisschen schöner und vor allem entspannter. 

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