Wilde Ponies in Haunetal

Zuletzt aktualisiert: 17.07.2020

Uns erreichte eine Bitte des NABU um Unterstützung, dessen Naturschutzgebiet in der Nähe von Frankfurt unter anderem von mehreren Exmoor-Konik-Mix-Ponies beweidet wurde. Die Ponies haben alle eine Hufrehe entwickelt, sind stark übergewichtig und mussten aus tierschutzrechtlichen Gründen das Gebiet verlassen. Den Beteiligten war es nicht bewusst, dass eine Hufrehe so behandelt werden kann, dass die Pferde ein recht gesundes Leben führen können. Und so waren sie erleichtert, als wir uns dazu entschlossen, einige der Ponies aufzunehmen.

Die Ursache der Hufrehe ist bei den Ponies eindeutig eine Insulindysregulation mit einem Equinen Metabolischen Syndrom. Die Hufrehe ist nur ein Symptom dieser endokrinen Störung. Weitere Auffälligkeiten sind:

  • Starke Fettleibigkeit
  • Besonders massive Fetteinlagerungen an Schulter, Hals, Kruppe und Bauch
  • Schwellungen über den Augen, an Euter bzw. Schlauchtasche
  • Ringe und deutlich Verformungen der Hufkapsel
  • Auffällige Rotfärbung des Langhaars und ausbleichen des Fells

Ihre klinischen Symptome bei einer Ganganalyse waren bei den meisten nicht sehr auffällig. Aber eine Röntgenuntersuchung zeigte bei allen Ponies eine deutliche Abweichung von der physiologischen Hufsituation. Die Auflage des Veterinäramtes eine regelmäßige Hufbearbeitung alle sechs Wochen unter Vollnarkose durchzuführen, wäre wohl nur ein Mittel eines der Symptome zu kaschieren. Diese Maßnahme ist jedoch nicht geeignet, um die Ponies wieder gesund zu bekommen.

Wir konnten bei dem Gutachtertermin anwesend sein und uns aus der Herde einige Ponies aussuchen, die wir aufnehmen würden, was keine einfache Aufgabe war. Denn am liebsten hätten wir sie natürlich alle mitgenommen. Aber unsere Vernunft siegte, als wir uns nach langem Hin und Her für vier Ponies entschieden, statt der vorher angedachten zwei aber besser als alle elf. Denn die Kosten und Arbeit müssen wir natürlich tragen können, ebenso das Gewöhnen an den Menschen. Tierschutz kann nur dann funktionieren, wenn man sich der Verantwortung, Kosten und Arbeit bewusst ist und dies auch tragen kann.

Wir haben uns also für vier Ponies entschieden, zu denen dann noch ein fünftes kam, und drei dieser Ponies kamen dann im März zu uns auf die Reha-Station mit einem weiteren Pony, das wir uns nicht direkt ausgesucht hatten, also Nummer sechs… JJ und Liesbeth sind näher befreundet und Madita hat ihren Freund Michel mitgebracht. Ihren ersten Transport im LKW haben sie gut überstanden und sind relativ entspannt, aber total durchgeschwitzt bei uns ausgestiegen. In einem kleineren abgetrennten Paddock konnten sie dann erst mal ankommen und haben auch direkt ein Sandbad genommen.

Um sie in kleinen Schritten an Menschen zu gewöhnen, haben wir uns jeden Tag einfach zum Kaffeetrinken bei ihnen getroffen, unser „Pony-Espresso“. Mehrmals täglich waren wir zum Saubermachen und Füttern bei ihnen und so kamen sie immer etwas näher, bis wir das eine oder andere auch mal anfassen konnten. Zumindest manchmal …

Ihre Reha besteht nun erst mal aus einer grasfreien Haltung mit Bewegungsanreizen durch mehrere Heustellen, die 6-8 Mal pro Tag mit zuckerarmem Heu befüllt werden. Das Heu ist auf 2 % ihres idealen Körpergewichts ausgerechnet und abgewogen. Zusätzlich bekommen sie zweimal täglich Mineralfutter, ausbalanciert auf das Heu, je Pony in einer Handvoll Kwickbeets (unmelassierte Rübenschnitzel), einen Teelöffel Salz und 30 g frisch geschroteten Leinsamen. Zum Teil haben sie schottrige und Kieselböden zur Verfügung. Leider können wir sie noch nicht mit der Herde auf dem großen Trail laufen lassen, was ihre Huf- und gesamte Gesundheitssituation deutlich schneller verbessern würde. Aber sie sind stark verwurmt und einfach noch nicht zahm genug, um sie raus zu lassen. Die Kotuntersuchung ergab einen Befall mit mehreren Wurmarten.

Nun sind sie schon seit ein paar Wochen bei uns und seit ein paar Tagen haben wir endlich einen stabilen Roundpen, ohne den die Arbeit mit den Ponies kaum möglich war. Jeden Tag separieren wir nun einzelne Ponies und gewöhnen sie an Berührung und Nähe zum Menschen.

Es ist total spannend, wie unterschiedlich ihre Charaktere sind.

Madita ist mit Abstand die Aufgeschlossenste. Sie findet alles neue spannend, lässt sich mittlerweile aufhalftern, führen und kann die Vorderhufe geben.

Michel war zu Beginn sehr schnell panisch und wäre bei Stress wahrscheinlich einfach durch oder über den Zaun gegangen. Für ihn ist es schon ein wahnsinnig großer Fortschritt, dass er allein mit einem Menschen im Roundpen sein kann, etwas mehr Nähe zulässt und wir ihm sagen können, in welche Richtung er gehen soll.

Liesbeth ist eher schüchtern, taut aber langsam auf. Sie hat sich zuerst immer etwas zurückgehalten, aber wenn wir mit ihr allein arbeiten, kommt sie auch schon etwas näher. Berührungen mag sie bisher noch nicht, aber das kommt schon noch.

JJ ist der kleine Rebell unter den Ponies, was wahrscheinlich an seiner Größe von vielleicht gerade mal 115 cm liegt. Er ist immer erst mal dagegen, lässt sich aber jedes Mal ein bisschen mehr auf uns ein. Mit etwas Abstand können wir ihn mit dem Stecken kraulen, was er auch ganz schön findet, aber niemals zugeben würde.

Es bleibt also spannend mit der Bande und wir hoffen natürlich, dass wir auch die anderen beiden noch nachholen können. Oder noch mehr … Für die Unterstützung möchten wir einen Verein gründen, der diese Ponies und hoffentlich noch viele weitere mitträgt.

Die Ponies

Madita
*2003
Stute ca. 135 cm
Aufgeschlossen, neugierig, lernt unheimlich schnell, möchte immer Neues lernen

Michel
*2015
Wallach ca. 145 cm
Skeptisch, sehr feinfühlig, ist mit Madita befreundet, schaut sich die Dinge lieber von Weitem an

JJ
*2014
Wallach ca. 120 cm
Frech, aber lernwillig, aufgeschlossen, hört unheimlich gut zu, coole Socke

Liesbeth
*2008
Stute ca. 130 cm
Erst eher schüchtern, dann etwas kess, fragt immer noch mal nach, zerstört gern alles, was sie findet, ist mit JJ befreundet, klimpert ganz laut mit den Wimpern

Update 12. Juni 2020

Mittlerweile haben die vier sich schon wirklich gut gemacht. Man sieht deutlich, dass sich die Fettdepots abbauen, und man erkennt zum Beispiel, dass sie doch auch eine Schulter haben.

Die Arbeit mit den Ponies macht unheimlich Spaß, auch wenn sie sehr zeitintensiv ist. Sie sind sehr ehrlich und direkt, was einfach toll ist!

Madita hatte ihre Hufe schon einen ganzen Teil selber bearbeitet, bis wir so weit waren, dass wir die Vorderhufe bearbeiten konnten. Daher gab es nur einen letzten Feinschliff und an den Hinterbeinen waren wir mal dran, haben aber noch nicht Hand angelegt.

Bei JJ konnten wir ebenfalls die Vorderhufe bearbeiten. Er macht richtig gut mit und entpuppt sich gerade als total kooperativ. Da er eines Morgens hinten lahm war, mussten wir dann doch auch schneller als gedacht üben, an die Hinterbeine zu kommen. Er hört total gut zu, fragt vorsichtig nach und lässt sich alles in Ruhe erklären. Nach ein paar Minuten Vorarbeit mit dem Stecken konnten wir seine Beine abtasten und unter den Huf gucken. Phänomenal. Aber er scheint nur einen Tritt am Oberschenkel abbekommen zu haben, was am nächsten Tag schon deutlich besser war.

Michel hat auch riesen Fortschritte gemacht. Er wäre einmal beinahe über die Panels gesprungen, was uns einen ganz schönen Schrecken versetzt hat, hat dann aber doch recht schnell geduldet, dass wir ihn mit dem Stecken und dann auch mit der Hand berühren.

Liesbeth ist recht kess geworden und testet ein bisschen mehr. Wir können sie nun auch mit dem Stecken berühren, aber mit der Hand geht nur eine kurze Berührung an der Nase.

Es bleibt ein Abenteuer.

Update 10. Juli 2020

Manchmal geht es ein paar Schritte vor, dann wieder zurück.

Da die Ponies sich mittlerweile die Hufe recht gut selbst bearbeiten, haben wir uns entschieden, die „Arbeit“ mit ihnen etwas zurückzufahren. Denn wenn man diesen Druck hat, dass man schnell an sie ran muss und bald die Hufe machen muss, machen die Ponies einfach nicht mit. Sie bemerken sofort, mit welcher Einstellung, welcher Erwartung man an sie heran geht und ist die Spannung zu groß, kommt man ohne Zwang gar nicht an sie ran oder sie frieren geradezu ein.

Also noch mal ein paar Schritte zurück. Einfach nur Zeit miteinander verbringen und die Nähe genießen, ohne Anfassen. Und das funktioniert super. Wir können mit ihnen im Wald dösen und sitzen mitten zwischen ihnen. Oder für Huffotos liegen wir irgendwo hinter und unter ihnen auf dem Boden (natürlich mit Sicherheitsschuhen). Selbst Michel kann mittlerweile entspannen, wenn man direkt neben ihm sitzt, und wir dürfen uns sogar dabei bewegen, ohne dass er wegspringt. Sie kommen immer wieder neugierig auf uns zu und beschnuppern uns. Madita kehrt von Zeit zu Zeit auch mal ihre Wildpferdseite raus, ebenso wie Liesbeth. Die beiden springen dann wild durch die Gegend und buckeln wie Rodeopferde. JJ lässt sich gern streicheln und genießt es, sich im Gesicht kraulen zu lassen. Jede Berührung darüber hinaus erträgt er, aber findet es nicht wirklich schön.

Deshalb gibts im Moment nur SCHÖN.

Update 14. Juli 2020

Lange haben wir überlegt, ob wir das ansprechen und wie, denn es ist ein schwieriges Thema. Wir waren diese Woche noch mal im Bingenheimer Ried. Das Veterinäramt hat die Auflage gemacht, dass die noch dort verbliebenen Ponies noch mal die Hufe bearbeitet bekommen müssen. Also haben wir zusammen mit den zuständigen Personen und dem Tierarzt diesen Termin abgemacht.

Bei der Ankunft waren wir geschockt. Wir hatten nicht erwartet, dass die Pferde besser aussehen, aber dass sie noch mal so deutlich zunehmen und die Hufe in einem so schrecklichen Zustand sind, hatten wir gehofft, nicht vorzufinden. Alle der noch sieben Ponies liefen sehr schlecht aufgrund der akuten Hufrehe und des starken Übergewichts. Da die Exmoor-Mixe komplett wild sind, kann man ihre Hufe nur unter Narkose bearbeiten. Was nicht besonders schön ist, aber kurzfristig die einzige Möglichkeit. Diese Prozedur bedeutet Stress und eine zusätzliche Belastung des Stoffwechsels durch die Medikamente. Eines der Ponies wurde sofort bei dem Termin eingeschläfert, da eine artgerechte und sichere Unterbringung für den ehemaligen Hengst in seinem jetzigen Zustand und unter den Schmerzen nicht möglich war.

Uns war sofort klar, dass die Pferde nicht weiter dortbleiben können, denn sie würde über kurz oder lang das gleiche Schicksal ereilen wie Thor. Die Fläche ist für diese Ponies zu reichhaltig und durch das hohe Futterangebot haben allesamt ein Equines Metabolisches Syndrom mit akuter und chronischer Hufrehe entwickelt. Sie leiden den ganzen Tag unter großen Schmerzen, weil die pathologischen Veränderungen in den Hufen fortschreiten und sich ihr Gesundheitszustand von Tag zu Tag verschlechtert. Nur eine radikale Veränderung der Haltungsbedingungen und ein angepasstes Futtermanagement kann ihnen noch eine Chance geben, wieder gesund zu werden. Und das muss schnell geschehen. Deshalb haben wir sofort angeboten, die verbleibenden sechs Ponies bei uns auf der Reha-Station aufzunehmen. Wir haben die Möglichkeiten und sind bereit, die Verantwortung zu übernehmen.

Dieser Termin und auch bis jetzt anhaltend war die Zeit eine emotionale Achterbahn. Auf der einen Seite die Hoffnung, dass wir den Ponies helfen können, auf der anderen Seite die Hilflosigkeit und Wut, dass es so weit kommen musste.

Aber wir möchten den Vereinsmitgliedern, die diese Pferde betreut haben, keinen Vorwurf machen. Sie sind ebenso erschüttert von dem Ausmaß der Situation. Hier wurde nicht ausreichend beraten und das fehlende Fachwissen führte dazu, dass nun einige Ponies schon ihr Leben lassen mussten.

Wir möchten viel mehr wachrütteln, ermutigen und vorleben, wie man etwas besser machen kann. Denn wir erleben das jeden Tag! Wir kommen zu Kunden, die von ihren Pferden als geliebten Familienmitgliedern sprechen, die davon sprechen, dass sie alles für ihr Pferd tun. Wir treffen viele Pferde, die gesundheitlich genau auf dem gleichen Weg sind wie die wilden Ponies aus dem Bingenheimer Ried. Es geht hier nicht um „ein paar Kilo“ zu viel oder eine Bikinifigur. Es geht um die Gesundheit, um die Prävention von stillem, endlosem Leiden und darum, dass wir es in der Hand haben.

Das Idealgewicht der Pferde läge so zwischen 300 und 400 kg. Sie laufen aber nicht nur mit einem Ranzen von 150 kg Übergewicht herum (also bis zu 50 % mehr!), was schon für ausreichend Schmerzen sorgt, sondern tun dies auch noch auf kaputten Füßen. Aber da alles irgendwie wehtut, halten sie es irgendwie aus, sie geben ihr Bestes, durch den Tag zu kommen, denn sie sind Meister der Kompensation.

So kann das nicht weitergehen! Wir möchten den kleinen Wilden den Weg in ein gesundes Leben ermöglichen und dafür brauchen wir eure Unterstützung! Wir haben einen Verein gegründet, den Rehabilitation HUF e. V. Wir werden euch weiterhin auf dem Laufenden halten und euch über die Entwicklung der Pferde berichten. Danke an alle, die mitmachen! Ihr seid supertoll! Vielen Dank!

Wir bekommen Nachwuchs

Nun ist es beschlossene Sache: Bei uns ziehen noch mal zwei Exmoor-Ponies ein. Nachdem wir gesehen haben, wie sich ihr Gesundheitszustand verschlechtert hat, haben wir direkt einen Transport organisiert und am Donnerstag, 16. Juli 202 kommen die beiden nach Haunetal.

Die verbleibenden vier Ponies ziehen voraussichtlich in zwei Wochen in Privathaltung in der Nähe von Göttingen. So sind alle gut unter.

Die beiden Jungs sind geschätzt so um die 140 cm groß und beide von 2014. Mattis ist der dickste von allen und auch Nils hat in den letzten Wochen noch mal ordentlich Polster angelegt. Sie laufen beide auf härteren Böden schlecht, weicher Boden ist okay.

Wir werden sie erst mal separat von den anderen Ponies in einem Paddock halten, damit sie sich schneller an uns gewöhnen und verstehen, dass es okay ist, wenn Menschen in der Nähe sind. Auch sie werden bei uns das zuckerarme Heu und die passenden Mineralstoffe bekommen, damit wir sie möglichst schnell auf den Weg weg von der Hufrehe begleiten können.

Update 17. Juli 2020

Gestern war es dann soweit. Es war ein turbulenter Tag. Aber erst mal von vorne.

Wir hatten uns um 11 Uhr mit den Vereinsmitgliedern des Nabu und dem Transporteur verabredet, um die Ponies zu identifizieren, die wir mitnehmen wollten und dann zu verladen. Als wir ungefähr eine dreiviertel Stunde von dem Naturschutzgebiet entfernt waren, bekamen wir dann einen Anruf, dass es nicht geklappt hatte, die Ponies in den eingezäunten Bereich zu bekommen, und daher die ganze Aktion verschoben werden müsste. Wir hatten die Tage vorher wie verrückt Zäune gebaut und vorbereitet, haben für eine Vertretung gesorgt, die in der Zeit, in der wir unterwegs sind, unsere anderen Reha-Pferde versorgt und sämtliche Termine drumherum gebaut, damit wir diese Verladeaktion in unseren doch recht straffen Terminplan bekommen. Außerdem war uns klar, dass der Gesundheitszustand der Ponies einfach keinen Aufschub erlaubt. Wir haben dann gebeten, den Spediteur auf Abruf zu lassen, dem bereits abgesagt worden war, und haben gesagt, dass wir selber versuchen, die Ponies einzufangen. Okay, sie kennen uns quasi nicht, stehen mit sehr vielen Rindern gemeinsam in einem riesigen offenen Gebiet und die letzte Einfangaktion, die gerade mal eine Woche her war, war kein besonders schönes Erlebnis für die Wilden, vor allem, weil eines ihrer Familienmitglieder nicht lebendig aus der Sache herauskam.

Trotzdem wussten wir: Wir müssen das schaffen und das möglichst angenehm für die Ponies. Also sind Barbara und ich mit einem Halfter und einem Stecken losgestiefelt ins Naturschutzgebiet und haben uns langsam der kleinen Herde genähert. Etwas herumschlawenzelt und versucht „wie ein Pferd“ an sie heranzugehen, damit sie nicht gleich die Flucht ergreifen würden. Wir wussten, wenn sie einmal in Unruhe kommen, schaffen wir es niemals, sie in den kleinen eingezäunten Bereich zu bekommen. Wir hatten glücklicherweise in den letzten Monaten von Sharon Wilsie und ihrer Idee zur Pferdesprache erfahren und versuchten ein paar der Dinge (vielleicht etwas laienhaft) umzusetzen. So kamen wir recht nah an die Dickies heran, die gerade glücklicherweise ein Schläfchen hielten. Wir ließen uns Zeit, grasten quasi ein bisschen mit, stellten uns höflich vor und versuchten mit unseren Bewegungen die Herde zur Bewegung in Richtung Gatter zu motivieren. Die wilden Kühe im Nacken, war es nicht immer ganz so einfach entspannt zu bleiben. Aber wir schafften es recht gemächlich grasend gemeinsam die richtige Richtung einzuschlagen. Sie laufen alle selbst auf weichen Boden wirklich schlecht, sind im akuten Reheschub und Mattis konnte zusätzlich sein linkes Hinterbein kaum belasten, das er beim Aufwachen aus der Narkose eine Woche zuvor maßlos überdehnt hatte.

Etwa hundert Meter vom Ziel entfernt, fing dann einer der Bullen an, uns deutlich mitzuteilen, dass er unsere Anwesenheit nicht besonders gut fand. Er brüllte und fing an zu scharren, mit dem Blick eindeutig in unsere Richtung.

Kurz überlegten wir, einfach schnell wegzulaufen, aber wir hatten nur die eine Chance. Also weggucken, total entspannt und unbeteiligt weiterziehen. Es hat geklappt. Puh. Er dreht ab zu seiner Herde.

Der Eingang zu dem eingezäunten Bereich war nicht sehr breit und zu beiden Seiten hatten die Ponies viele Möglichkeiten auszuweichen und abzuhauen. Wir haben den Weg trotzdem gefunden. Wie gut ausgebildete Border Collies haben wir lediglich versucht, Wege durch Präsenz zu verschließen, bis die Ponies ihren Kopf wieder in die Zielrichtung drehten. Dann haben wir wieder entspannt mitgegrast. Als das erste Pony durchs Tor ging, waren wir megahappy und ziemlich sicher, dass der Rest jetzt folgen würde. Wir schlossen das Tor hinter ihnen und ließen sie einfach ein paar Momente in Ruhe.

Wir waren überglücklich, dass wir nun doch sehr wahrscheinlich unseren Plan verfolgen könnten, zumindest Mattis & Nils direkt endlich von der Wiese wegzuholen, denn jeder Tag macht sie noch kränker. Jetzt war nur die Frage, ob der Transporteur es auch tatsächlich noch an dem Tag schaffen würde. Er sagte zu und würde in ein bis zwei, okay, es wurden drei Stunden, da sein.

In der Zeit bauten wir Panels auf, um die Ponies in den Unterstand einsperren und die beiden, die wir verladen wollten, separieren zu können. Auch die Aktion haben die Ponies in ruhigem Tempo gemeistert. An keiner Stelle kam wirklich Hektik auf und es war ein supertolles Gefühl, diesen kleinen Dickies es soweit es geht angenehm zu gestalten. Trotzdem hatten wir natürlich vor, die Familie auseinanderzureißen, was uns immer wieder die Idee in den Kopf setzte, doch alle mitzunehmen. Aber die Vernunft siegte. Es gibt einen Platz für die verbleibenden vier Ponies und wir müssen auch gucken, dass wir die Arbeit, Kosten und Verantwortung für alle Ponies, die bei uns einziehen, auch tragen können.

Mattis und Nils hatten wir dann separat in einen kleinen Bereich gesperrt, damit sie sich entspannen konnten, bevor der LKW ankam. Diesen parkten wir dann direkt am Eingang der Scheune, um die eine Seite der Laderampe schon gut zu sichern, da nicht klar war, ob die Pferde versuchen, über die Panels zu springen. Wir sicherten alles so gut es ging, schickten dann alle anwesenden Personen etwas weg und ließen die beiden Ponies in eine Art Box. Sie standen dann quasi auf ein paar Quadratmetern mit Blick in den LKW. Barbara sicherte die Seite, an der nur Panels und keine Scheunenwand zur Sicherung standen, ich ging hinter die Ponies. Und dann wurde der Tag noch unglaublicher und davon gekrönt, dass die Ponies innerhalb von ungefähr einer Minute einfach, zwar zitternd, aber von ganz allein einstiegen. Sie haben sich erst die Rampe angesehen, und wir haben ihnen nur etwas Zeit gegeben. Kurz darauf setzte Nils einen Huf auf die Rampe und beide gingen einfach hoch. Diese Ponies sind echte Helden!

Nachdem alles gut gesichert war, machten wir uns dann auf den Weg zur Reha-Station. Dort war alles vorbereitet, dass die Ponies direkt vom LKW in ihren Paddock laufen konnten, Heu und Wasser standen bereit. Auch hier zögerten sie nur einen kurzen Moment und gingen dann langsam aus dem Transporter. Sichtlich wackelig, aber noch unter Adrenalin watschelten sie dann zum Ende des Paddocks, wo unsere vier Wilden sie direkt begrüßten. Ich glaube, sie haben sich alle gefreut, sich wiederzusehen!

Bisher lassen wir sie einfach in Ruhe, füttern, machen sauber und beobachten ein bisschen. Es hat ein paar Stunden gedauert, bis sie sich zu Futter und Wasser getraut haben, aber heute laufen sie schon etwas sicherer hin. Jetzt, wo das Adrenalin langsam aus dem Körper ist, sieht man das volle Ausmaß, wie schlecht sie laufen. Wir hoffen, dass das bald besser wird, und geben unser Bestes.

Wir freuen uns total, dass sie jetzt hier sind und auch die anderen Exmoorponies wiedersehen, die im Übrigen megasportlich neben Mattis und Nils aussehen. Wir wünschen den Wilden ein langes, gesundes Leben und freuen uns über jeden, der uns dabei unterstützt, sie auf diesem Weg zu begleiten! Unser Verein Rehabilitation HUF ist gerade dabei eingetragen zu werden und wir hoffen, ab Anfang August dann ganz offiziell Angebote machen und Patenschaften für die süßen Ponies vergeben zu können!

Mattis
*2014
ca. 135 cm

Nils
*2014
ca. 140 cm