Die häufigsten Fehler bei der Hufrehediagnostik über das Blut

Sehr viele Pferdebesitzer haben Angst vor Hufrehe, aber noch viel zu wenig Wissen verbreitet sich darüber wie man frühe Anzeichen erkennt, was bei der Diagnostik beachtet werden muss und wie die Behandlung effektiv umgesetzt werden kann.

Wir möchten hier auf die häufigsten Fehler bei der Diagnostik über das Blut eingehen. Vielleicht nochmal kurz: Ich kann im Blut nicht sehen, ob ein Pferd eine Hufrehe hat, aber man kann sich bestimmte Werte ansehen, die eine Auskunft über einen entgleisten Hormonhaushalt geben. In etwa 80-90% der Hufrehefälle liegt nämlich eine endokrine Problematik vor, also ein hormonelles Ungleichgewicht. Dabei unterscheidet man noch einmal zwischen dem EMS – Equines Metabolisches Syndrom – und der PPID – Pituitary Pars Intermedia Dyfunction.

Equines Metabolisches Syndrom (EMS)

Das EMS ist ein Syndrom, das heißt, dass es ein durch das gemeinsame Auftreten bestimmter charakteristischer Symptome gekennzeichnetes Krankheitsbild ist. Diese Symptome sind: Übergewicht oder Adipositas, regionale abnormale Fettdepots, Hufrehe, Leptinresistenz und eine Insulindysregulation bzw. die Hyperinsulinämie. Für die Diagnostik können Blutwerte eine Auskunft über das Hufreherisiko geben, welche beim EMS durch zu hohe Insulinwerte, also eine Hyperinsulinämie, ausgelöst wird. 

Pituitary Pars Intermedia Dysfunction (PPID)

Die PPID ist eine fortschreitende Krankheit, bei der dopaminproduzierende Nerven im Gehirn absterben. Dies führt zu einer fehlenden Rückkopplung im Körper, so dass bestimmte Hormone übermäßig ausgeschüttet werden. Gemessen wird hier der ACTH-Wert im Blut, eines der Hormone, dass eben zu viel produziert wird bei einer PPID. Durch dieses Ungleichgewicht im Hormonhaushalt kann es in Folge ebenfalls zu einer übermäßigen Ausschüttung an Insulin kommen. Ebenso wie beim EMS ist also auch die Hyperinsulinämie, also zu viel Insulin im Blut, für die Schäden in den Hufen und somit eine Hufrehe als Symptom der ursächlichen PPID verantwortlich. 

Blutdiagnostik -. Durchführung & Interpretation

Das Thema Blutdiagnostik sorgt für Diskussionen, da sowohl Zeitpunkt, Durchführung und Interpretation sehr unterschiedlich umgesetzt werden. Wir halten uns primär an die Leitlinien der ECIR Group, die durch sehr viele Fallbeispiele wirklich praxisbezogenen Daten mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen in ihrem Vorgehen vereinen.

Um vergleichbare und aussagekräftige Blutergebnisse zu bekommen, müssen einige Punkte vor, während und nach der Blutabnahme beachtet werden. Und da sehen wir in der Praxis ein großes Potenzial für falsch positive oder auch falsch negative Ergebnisse. Deshalb hier die häufigsten Fehler:

Was und wann überhaupt testen?

Es macht Sinn Pferde zu testen, die entweder hufrehegefährdet sind, die bereits eine Hufrehe haben oder eine Hufrehe hatten. Dabei solltest du den ganz akuten Schub abwarten, da hier die Werte verfälscht sein können. Man weiß, dass Stress eine Insulinresistenz fördern oder auch den ACTH beeinflussen kann. Allerdings tatsächlich nicht so stark wie oft verbreitet. Schon innerhalb weniger Tage ‚normalisieren‘ sich die Werte wieder. Daher kannst du den Tierarzt zur Blutentnahme nach einigen Tagen bereits bestellen. Am sinnvollsten ist ein Termin zu Beginn der Woche und morgens. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass das Blut auch nach der Abnahme entsprechend schnell weiterverarbeitet wird. Dazu später mehr.

Am einfachsten ist es das EMS/ECS Profil machen zu lassen. Das enthält die wichtigsten Werte sowohl für die Diagnostik beim EMS bzw. der Hyperinsulinämie als auch bei der PPID.

Du brauchst einen Plan wie du dein Pferd nachhaltig gesund erhalten kannst? Den findest du im Rehakurs Hufrehe.

Problem 1: Das Pferd wird nüchtern gelassen oder bekommt unkontrolliertes Futter.

Immer noch weit verbreitet ist die Annahme, dass Pferde vor der Blutabnahme nüchtern sein müssen. Dies ist aus der Humanmedizin übernommen und mittlerweile empfehlen sämtliche Labore, Forschungsgruppen und Experten aber, dass die Pferde Heunüchtern sein sollen, also nur auf das Kraftfutter verzichtet werden soll.

Die ECIR-Group, an deren Protokoll wir uns auch halten, ist noch genauer mit den Angaben, um wirklich aussagekräftige und vergleichbare Ergebnisse zu erhalten.
Die Pferde sollten vor der Blutabnahme

  • mindestens 24 Stunden zuckerarm gefüttert werden
  • mindestens 6 Stunden permanent Futter zur Verfügung haben

Das heißt in der Praxis:

  • Das Pferd darf nicht auf die Weide.
  • Du darfst ausschließlich zuckerarmes Heu füttern, wenn das nicht analysiert ist, musst du das Heu vor dem Füttern waschen (1 Stunde in kaltem frischen Wasser – Vorsicht wegen Keimbelastung, immer frisch vorbereiten).
  • Sämtliches Kraftfutter, Obst, Gemüse weglassen!
  • Fresszeit in der Nacht mit Heunetzen und ausreichend Heu verlängern, damit dein Pferd durchgehend Futter hat.
  • Keine Fresspause vor der Blutabnahme.

Problem 2: Das Pferd hat Stress durch Transport, Training oder Schmerzen.

Wie bereits erwähnt kann Stress die Werte verfälschen. Das ist den meisten noch bewusst im Schmerzgeschehen, aber dass auch ein Transport z.B. in die Pferdeklinik oder auch Training Stress sein kann, wird oft vergessen. Ebenso können zu lange Fresspausen die Werte beeinflussen oder eine panische Angst vor dem Tierarzt. Daher achte darauf, dass dein Pferd möglichst wenig Stress hat, übe am besten regelmäßig und mit Vorlauf auch einen Tierarztbesuch. Solltet ihr planen am selben Tag auch zu röntgen, bitte erst Blut abnehmen und dann alle anderen Untersuchungen machen.

Problem 3: Das Blut wird nach der Abnahme nicht richtig gehandelt & zu spät untersucht

Nach der Blutabnahme ist ein schnelles Weiterverarbeiten wichtig, das heißt erstmal, dass es möglichst schnell (z.Zt. gibt es die Empfehlung innerhalb von zwei Stunden) zentrifugiert werden und dann gekühlt ins Labor transportiert werden soll. 

Die Inhaltstoffe des Blutes verändern sich nach der Abnahme und können wiederum falsche Ergebnisse liefern. Der ACTH und auch die Glucose werden zum Beispiel bei längerer Lagerung abgebaut. Daher ist auch die zeitnahe Analyse im Labor wichtig. Du solltest bei den Blutergebnissen immer auch mal auf die Daten auf dem Befund schauen. Vergleiche das Abnahmedatum mit dem der Einlieferung und dem Untersuchungsabschluss. Diese sollten möglichst am gleichen Tag oder spätestens einen Tag später datiert sein. Daher auch die Empfehlung die Blutabnahme am Anfang der Woche bzw. morgens zu machen. So ist es wahrscheinlicher, dass du realistische Ergebnisse bekommst.

Problem 4: Die Interpretation der Blutwerte ist unzureichend.

Eine weitere Empfehlung ist es, dass du dir die Werte schriftlich geben lässt. Denn die Interpretation ist von Tierarzt zu Tierarzt sehr unterschiedlich. Nach den Empfehlungen der ECIR Group schauen wir nicht nur die Einzelwerte an, sondern setzen diese zum Teil auch ins Verhältnis bzw. halten die geltenden Referenzwerte zum Teil für schwierig. Vor allem unterscheiden sie sich auch je nach Labor. Daher solltest du auch für vergleichbare Ergebnisse immer dasselbe Labor beauftragen.

Es kann eben mitunter sein, dass die Werte deines Pferdes alle im Referenzbereich liegen, aber zueinander in einem krankhaften Verhältnis liegen. Daher nutze für die Interpretation gern den EMS-Rechner der ECIR Group und gib deine Werte dort ein und besprich dich mit einem Experten.

Der Experte hilft dir auch nach der Interpretation der Blutwerte das weitere Vorgehen zu besprechen und einen Plan zu entwickeln, damit dein Pferd nie (wieder) Hufrehe bekommt!

Du suchst Unterstützung für dein Rehepferd? Schau dir mal den Rehakurs an.

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