Hilfe, die Wände brechen weg!

Kennst du das? Gestern sahen die Hufe noch gut aus und heute kommst du zum Stall und es ist ein riesen Stück Wand rausgebrochen? Oder sind die Wände deines Pferdes generell brüchig und halten nicht? Wir möchten in diesem Beitrag ein paar Gründe angucken, warum das passieren kann, ab wann du dir Sorgen machen musst und vor allem wie du dem Ausbrechen vorbeugen kannst.


Warum brechen Wände überhaupt aus?

Dass brüchige Wände nicht gerade für stabiles Hufhorn sprechen ist dir bestimmt bewusst. Aber warum brechen bei dem einen Pferd die Wände nie aus? Und bei dem anderen ständig?

Generell können wir beobachten, dass die Nährstoffversorgung einen großen Faktor ausmacht. Denn je besser die Pferde versorgt sind, desto elastischer bleibt die Hufwand und desto besser kann sie Pilz und Bakterien entgegenhalten. Fehlen manche Bausteine wird minderwertiges Horn produziert und es kommt bei Beanspruchung eben schneller zu Ausbrüchen. Das kann sein, wenn dein Pferde wirklich unglücklich auf eine Kante tritt, aber auch schon die normale Belastung kann bei mangelhafter Hornqualität dazu führen, dass die Wände wegbrechen. Auch die Böden bzw. die Witterung können hier Einfluss haben. Denn sehr feste Böden haben eher einen Ausbruch zur Folge als weiche. Dafür haben weiche Böden weniger Abrieb und wenn die Hufe entsprechend länger werden, kann das auch schneller dazu führen, dass die Wand ausbricht.

Im Prinzip kann alles und nichts dazu führen, dass die Hufwände ausbrechen.
Die beste Prävention ist eine optimale innere Versorgung und viel Bewegung. 

Kein Grund zur Panik: ausbrechende seitliche Wände sind oft das Resultat von zu langen Bearbeitungsintervallen und eine Art Selbst-Trim, um Hebel zu minimieren.

Eine ungünstige Hufform oder eben auch zu lange Bearbeitungsintervalle können ebenfalls dazu führen, dass die Hufwand der Belastung nachgibt. Nicht immer ist das die schlechteste Variante, denn wenn die zu lange Wand erstmal weggebrochen ist, kann das eben wieder zu einer physiologischeren Hufform führen und Hebel minimieren. Besonders häufig treten Ausbrüche im Seitenwandbereich auf, wenn die Bearbeitungsintervalle zu lang sind. Das liegt daran, dass in diesem Bereich besonders viel Bewegung stattfindet, wenn Pferde selbst in Bewegung sind. Der vordere Hufbereich, der innerlich vorwiegend knöcherne Strukturen aufweist, bewegt sich etwas weniger als der hintere Hufbereich, in dem sich vorwiegend flexible Strukturen befinden. Der Übergang ist äußerlich dann eben ungefähr im Seitenwandbereich zu finden. Hier macht es mitunter Sinn eine Senke hinzubearbeiten, also die Wand etwas zu kürzen, wenn es der Huf zulässt. Wird die Wand im Seitenbereich zu lang, bearbeitet der Huf sich eben oft selber. Erst kommt es vielleicht zu kleinen Rissen kurz vor der Trachte oder zu Beulen und irgendwann bricht dieser Bereich weg. Quasi eine Art Self-Trim. Natürlich sollte das nicht das Ziel sein, dass die Seitenwände wild wegbrechen, aber meist ist es auch kein Drama.

Bricht ein Huf häufig viel weg, obwohl er nicht zu lang ist oder schafft ein Pferd es auch gar nicht einen kompletten Tragrand aufzubauen, kann es eben an der Nährstoffversorgung liegen oder auch an einem übermäßigen Pilz- oder Bakterienvorkommen. Grundsätzlich befinden sich diese immer in der Umgebung unserer Pferde, aber vermehren sie sich sehr stark, und das tun sie gern in feucht-warmen Spalten z.B. in der Hufwand, zerstören sie das Hufhorn und es bricht vermehrt weg. Meist kommt es gehäuft zum Herbst oder generell zum Fellwechsel vor, wenn das Immunsystem schon herausgefordert ist und dann gegebenenfalls noch ein Nährstoffmangel vorliegt. Besonders beim Pilzbefall kann man erkennen, dass die Wand längs Zusammenhangstrennungen aufweist und dann häufig nur der äußere Wandbereich wegbricht. Die Bruchstellen sehen „haarig“ aus. Hier sollte sowohl innerlich als auch äußerlich behandelt werden.

Ab wann musst du dir Sorgen machen?

Grundsätzlich sind viele Ausbrüche erstmal nur optische Makel. Häufig ist es sogar so, dass nach ein paar Tagen das Ausgebrochene wieder etwas harmonischer hingelaufen ist. Wenn also etwas wegbricht, muss man nicht direkt in Panik verfallen. Problematisch wird es aber, wenn das Pferd schlechter läuft oder die Wand eben generell nicht stabil einwachsen möchte. Auch, wenn wir den Tragrand nicht allein als lasttragende Struktur sehen, ist sie trotzdem ein wichtiger Teil bei der Lastaufnahme. Kann sie nicht mittragen, müssen die anderen Strukturen kompensieren und eben mehr Last tragen. Ist zudem aber die Sohle dünn oder der Strahl schlecht, kann es tatsächlich zu schlechtem oder fühligem Laufen kommen. Hier muss geschützt werden! Hufschuhe und eine Optimierung der inneren Versorgung sind hier super wichtig!

Wie kannst du Wandausbrüchen vorsorgen?

HUF – wie so oft kann es so einfach sein. Im besten Fall ist dein Pferd richtig gut innerlich versorgt. Das siehst du eben an den Hufen: wenn die Wände glatt sind, dick und elastisch. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Pferde mit einer guten Mineralstoffversorgung zum Beispiel eine dickere unpigmentierte Schicht haben. Diese von unten am Huf zu sehen. Sie ist schneeweiß und ein Teil der Wand. Diese Schicht ist deutlich elastischer als die äußere pigmentierte Schicht und wichtig für die Stoßdämpfung. Häufige Nährstoffmängel, die wir antreffen sind übrigens: Zinkmangel, Kupfermangel, Eiweißmangel – um die häufigsten zu nennen.

Auch die Böden können Ausbrüche wahrscheinlicher oder eben unwahrscheinlicher machen. Passen die Böden gut zusammen, kann sich der Huf optimal anpassen und auch sein Wachstum darauf einstellen. Außerdem können beispielsweise Kieselsteine für eine Bearbeitung bei jedem Schritt sorgen und durch das Einsinken werden die Wände abgerundet und auch abgenutzt, was zu weniger Bruchstellen und besserer Erhaltung der Huflänge führt.

Je optimaler Haltung, Untergrund & Fütterung sind – also HUF – desto besser passen sich Wachstum und Abrieb aneinander an und folglich weniger Bearbeitung ist notwendig.

Kann ich nicht alles optimieren, ist die regelmäßige Bearbeitung eine sinnvolle Prävention, damit es nicht zu großen Ausbrüchen kommt. Hier ist zum einen insgesamt der Wandüberstand zu beachten, der allerdings von Pferd zu Pferd individuell ist und aus unserer Sicht nie generell auf Sohlennivau gekürzt werden sollte, da viele Pferde mit mehr Wandüberstand besser laufen. Auch wenn natürlich eine Wand auf Sohlenniveau weniger ausbricht, macht es eben keinen Sinn, wenn die Pferde dann fühlig sind.  Hier muss ein guter Kompromiss gefunden werden: so viel Wandüberstand, dass das Pferd gut läuft, die Wand aber nicht ausbricht. Zudem bearbeiten wir den Tragrand mit einer Schräge. Diese Schräge wird je nach Böden, Nutzung, Winkeln und Korrekturbedarf angepasst und kann dafür sorgen, dass Wände weniger wegbrechen, da weniger Hebelkraft entsteht und die Wand trotzdem dick bleibt. Zudem werden Kräfte so umgeleitet, dass die Verbindung von inneren und äußeren Strukturen unterstützt wird. Ein kleines und sehr wertvolles Instrument.

Besonders gute Erfahrungen haben wir auch damit gemacht, wenn Pferdebesitzer zwischen den Bearbeitungsintervallen nachraspeln. Häufig ist das nur minimal und sehr punktuell notwendig, macht aber einen großen Unterschied.

Lerne, die Hufe deines Pferdes selbst zwischen den Profi-Bearbeitungen zu unterstützen: Setz’ dich noch heute auf die Warteliste:

Hat man den Verdacht, dass es sich auch um einen Bakterien- oder Pilzbefall handelt, sollte zusätzlich zu den anderen Maßnahmen eben auch äußerlich behandelt werden.

Grundsätzlich ist es daher total sinnvoll, wenn du als Pferdebesitzer einschätzen lernst, ob Handlungsbedarf besteht oder ob es sich um ein rein kosmetisches Problem handelt, damit du entscheiden kannst, was zu tun ist. So stresst dich eine ausgebrochene Wand nicht mehr, sondern du kennst Strategien damit umzugehen oder im besten Fall eben präventiv zu handeln. Genau dafür haben wir das Onlineprogramm “Inside Out” entwickelt. Erfahre in diesem Blogbeitrag mehr über das Programm.

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