Hufbeurteilung in den sozialen Medien

Facebook, Instagram und Co sind aus unserem Alltag fast nicht mehr wegzudenken. Sowohl beruflich als auch privat verbringen wir Zeit mit den sozialen Medien, konsumieren und informieren uns. Dabei passiert es immer wieder, dass Dr. Google statt des Tierarztes Diagnosen gibt. Oder auf Facebook “Experten” Ratschläge geben und Situationen beurteilen. Dabei ist es ganz egal ob es um Hufe, Fütterung, Training oder was auch immer geht. Aber oftmals sind es nur selbsternannte Experten und seltener die wirklich guten.

Wir lesen da auch immer mal mit und häufig sitzt man fassungslos vor dem Computer und kann es nicht glauben, dass Menschen wirklich die Zeit und Muße haben sich in dieser virtuellen Welt so unsagbar unfair behandeln zu lassen oder eben so unfassbar überheblich zu urteilen

Sowohl in den sozialen Medien als auch in der realen Welt trifft man immer wieder “Experten”, die be- und verurteilen. Und das, ohne die Gesamtsituation zu kennen.

In unserem Fall betrifft das häufig die Hufsituationen. Auch wir werden häufig gebeten, die Arbeit von Kollegen zu bewerten. Natürlich gibt es Dinge, die wir in diesem Moment sehen und bis zu einem gewissen Grad beurteilen können. Wir können auch sagen, wie wir in Zukunft vorgehen würden. Aber wir sehen die Situation ausschließlich im Hier und Jetzt.

Was der Kollege zum Zeitpunkt X vorgefunden hat, wie die Entwicklung über die letzten Monate war, was den Bearbeiter dazu bewegt hat, den Huf so zu bearbeiten wie er es getan hat und was in der Zwischenzeit passiert ist: das können wir alles nicht einschätzen. Im echten Leben können wir zumindest noch zusätzlich die Haltung, das komplette Pferd und vor allem auch seine Bewegungen ansehen, direkte Rückfragen an den Besitzer stellen. Aber einzelne Fotos geben uns eben auch nur sehr begrenzte Informationen.

Wenn es ein Problem im zeitlichen Zusammenhang mit, zum Beispiel, einer Hufbearbeitung gegeben haben sollte, ist der beste Tipp immer noch, die Person zu fragen, die diese Bearbeitung gemacht hat.

Zum Beispiel ist es leider häufig der Fall, dass das Pferd nach der Bearbeitung schlechter läuft, als zuvor. Dann sollte der erste Ansprechpartner der Bearbeiter sein, bevor man sich noch sechs weitere Meinungen von fünf anderen Leuten einholt.

Ein Huf…

… an dem einige “Experten” auf Social Media sicher einiges auszusetzen hätten. Sicherlich entspricht die Optik des Hufes nicht dem Bilderbuch, der erfüllt seine Funktion jedoch hervorragend! Die Hufe unserer Pferde verändern sich ständig, passen sich an ihre Umgebung an und sind super schlau.

Ein Bild sagt manchmal eben nicht wirklich viel aus.

Der Überblick über die Gesamtsituation wird in der virtuellen Welt oft der Einfachheit halber gern komplett ignoriert. Man beurteilt anhand einzelner Fotos eines einzelnen Hufes aus einer Perspektive die komplette Situation des Pferdes. Besonders beim Thema Hufe ist doch aber nicht die Optik entscheidend, sondern an allererster Stelle sollte das Pferd komfortabel laufen können. 

Denkt immer daran, wenn ihr um Rat gefragt werdet, mal die Perspektive zu wechseln: Was, wenn ihr so beurteilt würdet? Was könnt ihr im Hier und Jetzt überhaupt einschätzen? 

Wenn ihr jemanden um Rat fragt, denkt darüber nach, wen ihr fragt und welches Ziel ihr damit verfolgt. Hinterfragt Ratschläge und seid fair zueinander.

Dann macht die Zusammenarbeit zwischen Pferdebesitzer, Tierärzten, Stallbetreibern, Reitkollegen, Physiotherapeuten, sämtlichen Hufbearbeitern und all den anderen Menschen rund um euer Pferd richtig Spaß!

Und euer Pferd profitiert am meisten davon. 

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