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Rehabilitation Hufrehe – Und das ist jetzt die Reha?

Immer wieder werden wir gefragt wie denn die Reha für Hufrehepferde bei uns abläuft, mit welchen Kliniken und Tierärzten wir zusammenarbeiten und was die Reha-Maßnahmen sind.

Wir haben das Gefühl, dass viele Menschen mehr erwarten als das, was sie dann als Antwort bekommen: Die Pferde laufen, wenn möglich, im Paddocktrail, bekommen achtmal am Tag analysiertes zuckerarmes Heu, zweimal am Tag angepasstes Mineralfutter und ab und an ein bisschen Hufbearbeitung. Wir haben eine Tierärztin, die uns bei Röntgenaufnahmen und Blutwerten unterstützt, und wir arbeiten eng mit einer Futterexpertin zusammen. Ansonsten brauchen die meisten Pferde, die wegen endokriner Hufrehe zur Reha kommen, wirklich keine zusätzlichen Maßnahmen. Falls doch welche erforderlich sind, haben wir natürlich Physiotherapeuten, Zahnärzte, Trainer & Co. im weiteren Team. Aber ganz ehrlich? Meist muss man den Pferden einfach mehr Ruhe und Zeit geben und ein Leben ohne den ständigen Stress in großen Ställen oder die (verständliche) Sorge des Besitzers ermöglichen.
Es gibt auch viele Leute, die dann sagen: Aber das mache ich ja Zuhause auch alles so. Aber es wird nicht besser.

Ja? Wirklich? Es ist tatsächlich auch keine Hexerei. Wenn man das so umsetzt, dann ist das prima und dein Pferd sollte ziemlich schnell eine Besserung zeigen und danach auch langfristig gesund bleiben. Wenn keine Besserung eintritt, schau genau hin, wo noch etwas verändert oder auch weggelassen werden muss. Die genaue Diagnose, entsprechende Behandlung und liebevoll fachliche Betreuung bringt den Erfolg (in den meisten Fällen), und wir sind da sehr pingelig.

Es wäre so schön, wenn das immer so wäre. Wenn jeder die Reha zu Hause machen könnte und wir möchten das gern unterstützen! Denn die Verantwortung für ein Reha-Pferd zu übernehmen, ist immer eine große Herausforderung. Aber meist sind die Gegebenheiten im eigenen Stall leider nicht so optimal. Denn so simpel sich unser Konzept anhört, es kommt auf die Details an und auf die wirklich konsequente Umsetzung. Und das ist gar nicht immer so einfach im echten Leben.

Die Ponies bekommen bei uns wirklich immer nur analysiertes Heu mit höchstens 8-9% Zucker, wenn möglich weniger. Sie bekommen ausreichende Mengen an Heu, aber abgewogen und auf viele nicht zu kleine Portionen aufgeteilt, so dass keine langen Fresspausen und möglichst wenig Stress entsteht. Durch die Art der Fütterung und die vielen Futterstellen bewegen sie sich viele Stunden am Tag in einer gesunden Körperhaltung. Das Mineralfutter wird individuell in Krippenfutter gegeben und balanciert die Nährstoffe des Heu möglichst optimal aus. Dazu gibt es weißes Salz, frisch geschroteten Leinsamen und etwas Totholz zum Knabbern.

Selten ist es nötig weitere Futtermittel zu geben, bzw. häufig stören diese eher, da sie zum Beispiel zusätzliches Eisen enthalten, versteckten Zucker oder Stärke. Auch die Leber muss nur selten speziell unterstützt werden, da sie zu Beginn der Reha meist eh schon überfordert ist und im Laufe der Zeit durch die ausbalancierte Nährstoffversorgung von allein wieder anfängt gut zu arbeiten. Frisches Grün wie Laub, Kräuter und Gras bekommen die Pferde nicht. Zumindest versuchen wir auch den Trail so gut wie grasfrei zu halten. Nicht unterschätzen: Abgefressene Wiesen und Grasspitzen stellen ein großes Risiko dar. Und auch sonst bekommen die Pferde nichts weiter. Außer Kuscheleinheiten, wer möchte.

Wir haben die Rehapferde durch die häufige Versorgung viel im Blick und können kleine Veränderungen schnell wahrnehmen und ggf. reagieren. Auf unserer Reha-Station ist meist wenig Betrieb, es gibt keine normalen Einsteller, die jeden Tag kommen und ihre Pferde aus der Herde holen. Selbst die Besitzer der Rehapferde kommen oft nur sporadisch, da viele von weit weg anreisen. So ist das soziale Umfeld stabil, durch wenig Sorge und das Leben in einer harmonischen Herde sehr entspannt.

Meist haben wir das Gefühl eher Stressfaktoren oder Störfaktoren eliminieren, den Pferden nur eine gute Basis geben zu müssen und sie dann einfach machen zu lassen, anstatt großartige Maßnahmen zu ergreifen.

Bei vielen Rehepferden verbessert sich die Situation dann quasi wie von selbst. Natürlich kommt es auf die Ursachen an und es gibt immer wieder die Pferde, die einen auf die Probe stellen, verzweifeln lassen und dann den Horizont erweitern. Bei jedem Pferd lernen wir Neues dazu. Aber die meisten Pferde, die an Hufrehe erkranken, tun dies auf Grund einer unkontrollierten Insulinresistenz und können so bei uns recht einfach wieder rehabilitieren.

Die Hufe spielen oft gar nicht so eine große Rolle, auch wenn sie natürlich meist der offensichtlichste Indikator der Stoffwechselentgleisung sind. Wir ziehen den Pferden wenn nötig Hufschuhe an, auch mehrfach am Tag um, mit oder ohne Polster, Socken & Co., und bearbeiten die Hufe ab und zu punktuell. Den Rest erledigen die Pferde selber durch das Laufen auf den entsprechenden Böden, wenn man ihnen die Möglichkeit gibt. Auch bei der Bearbeitung ist weniger mehr und es geht darum Störfaktoren auszuschalten und den Pferden die Chance zu geben die Hufe wieder gesund nachwachsen zu lassen. Dabei sollten wir nicht zu viel hineinfuschen, zumindest nicht, wenn es nicht notwendig ist. Also eigentlich auch ganz einfach. Oder eben doch nicht?

Im Prinzip ist die Rehabilitation von endokriner Hufrehe simpel, aber nicht immer so einfach. Sie kostet Energie, Kraft, Zeit, Geld und ist anstrengend, nervenaufreibend und emotional. Aber das ist es wert!
Wir geben den Pferden eben einfach die Grundlagen für ein gesundes Pferdeleben, nehmen ihnen so gut wir können Sorge und Stress, lassen sie ein bisschen herumlaufen und gucken dabei zu wie sie gesund werden.

Ja, und das ist dann die Reha.

Die Hufe eines unserer wilden Ponies, die wir bisher noch nicht bearbeiten konnten. Die Haltung mit der Bewegung auf den schlauen Böden und die innere Versorgung haben hier in wenigen Monaten unglaubliches geleistet. Die Hufe sind auf dem Weg der Besserung ein ganzes Stück voran gekommen.

Wir arbeiten gerade an einem Leitfaden für Pferdebesitzer zu diesem Thema.

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