Verantwortung HUFgesundheit – Wir haben es in der Hand!

Einer unserer wichtigsten Werte ist die Verantwortung und das Bewusstsein unserer Verantwortung, also das Verantwortungsbewusstsein. Denn so schaffen wir es selbständig Entscheidungen zu treffen, unabhängiger zu sein und für uns, dich und mich, und unsere Pferde das Beste rauszuholen.

Was ist überhaupt Verantwortung?

Definition Verantwortung
Ver·ant·wor·tung
Verantwortung/Substantiv, feminin [die]

  1. 1a.[mit einer bestimmten Aufgabe, einer bestimmten Stellung verbundene] Verpflichtung, dafür zu sorgen, dass (innerhalb eines bestimmten Rahmens) alles einen möglichst guten Verlauf nimmt, das jeweils Notwendige und Richtige getan wird und möglichst kein Schaden entsteht “eine schwere, große Verantwortung”
  2. 1b.[ohne Plural] Verpflichtung, für etwas Geschehenes einzustehen [und sich zu verantworten]”er trägt die volle, die alleinige Verantwortung für den Unfall, für die Folgen”

Ist hier jetzt fast zu negativ ausgedrückt, finden wir, denn Verantwortung kann auch etwas ganz wunderbares sein. Das Richtige zu tun und für die daraus folgenden tollen Dinge die Verantwortung zu tragen, ist doch super. Aber natürlich geht es in beide Richtungen – angenehm, unangenehm, schwierig, begeisternd.

Verantwortungsbewusstsein

Bevor ich diese Verantwortung übernehmen kann, muss ich mir erstmal derer bewusst sein. Wenn ich mir also ein Pferd kaufe oder die Pflege für ein Tier übernehme, muss ich mir bewusst sein, dass ich die Verantwortung trage. Ich kann sie nur tragen, wenn ich auch Wissen habe über dieses Pferd, seine Ansprüche und individuellen Bedürfnisse. Es ist also super wichtig, dass ich mich mit dem Thema beschäftige, mich weiterbilde, um mir eben bewusst zu werden, wofür ich eigentlich die Verantwortung übernehme.

Verantwortung zu übernehmen ist nicht immer einfach

Es gibt bei uns immer wieder die Momente, besonders, wenn etwas nicht glatt läuft, wo uns diese Verantwortung auch Angst macht. Wir übernehmen bei den Reha-Pferden zum Beispiel die Verantwortung für ein uns oft fremdes Pferd mit meist ziemlich schlechter Prognose mitten in einer großen gesundheitlichen Krise. Wie verrückt sind wir eigentlich? Diese Verantwortung zu tragen ist total anstrengend, kräftezehrend und emotional herausfordernd. Gleichzeitig der Pferdebesitzer, der nervlich und energetisch am Ende ist und voller Hoffnung seine Verantwortung für sein krankes Pferd in unsere Hände gibt. Ohne, dass wir versprechen können, dass alles gut wird. Aber wir können versprechen, dass wir alles in unserer Macht stehende machen, unsere Verantwortung sehr ernst nehmen und uns voll und ganz darauf einlassen. Wenn wir merken, dass keine Aussicht auf ein gutes Leben besteht, steht es in unserer Verantwortung dem Pferdebesitzer die bestmögliche Aufklärung über die Situation zu geben. Wir als Experte können nicht die Entscheidung treffen, aber wir sollten begleitend und beratend zur Seite stehen. Auch für ein würdevolles Erlösen eines Tieres tragen wir Menschen, genauer die Besitzer, die Verantwortung.
Schöner ist es natürlich die Verantwortung dafür zu tragen, dass ein austherapiertes Pferd wieder gesund wird und es nach einer Weile wieder fit nach Hause gehen kann. Aber wichtig sind beide Bereiche.

Gemeinsam im Team

Glücklicherweise tragen wir nicht alle Verantwortung allein, sondern können uns ein Team aufbauen. In dem Team hat jeder seinen Kompetenzbereich, zum Teil überschneiden sich Bereiche, und man kann Entscheidungen auch zusammen treffen, wenn man allein die Verantwortung nicht tragen kann oder sich nicht in der Lage dazu fühlt.

Gesetze & Leitlinien für Verantwortlichkeiten

Für einige Bereiche gibt es ja sogar Gesetze, die die Verantwortlichkeit regeln. Zum Beispiel das Tierschutzgesetz, dass grundsätzlich regelt, dass wir die Verantwortung für ein Tier übernehmen. Da steht zum Beispiel auch, dass wir es artgerecht halten müssen, dass wir ihm keine unnötigen Schmerzen und Leiden zufügen dürfen oder dass wir nichts abverlangen dürfen, wozu das Tier körperlich oder geistig nicht in der Lage ist. Wenn wir das wirklich umsetzen würden, wie sähe dann unsere Pferdewelt aus?

Es gibt auch noch das Hufbeschlaggesetz. Es regelt zumindest die Zuständigkeiten und Ausbildungsrichtlinien für staatlich anerkannte Hufbeschlagschmiede und deren Lehrschmieden, nicht aber für andere Hufbearbeiter. Bei Hufschmieden ist auch eine Hinweispflicht gesetzlich festgeschrieben. Sie müssen also den Pferdebesitzer auf gesundheitliche Probleme oder mögliche Folgen in Bezug auf ihren Fachbereich aufklären. Hufbearbeiter fallen nicht unter dieses Gesetz, sind aber aus unserer Sicht ebenfalls hinweispflichtig.
Und für Tierärzte gibt es wieder eigene Regeln.

Neben Gesetzen gibt es Richtlinien zur Tierhaltung oder auch zum Reitsport. Diese sind zwar nicht so bindend wie Gesetze, werden aber im Falle eines Gerichtsurteils häufig als Richtlinie hinzugenommen.

Wenn wir die Gesetze und Leitlinien mal alle genauer angucken und sie wirklich ernst nehmen würden, dürfte ein Großteil der Pferdeszene gar nicht so sein wie sie ist. Bevor wir aber am ganz großen Rad drehen, kehren wir erstmal vor unserer Haustür. Was können wir verbessern? Wo müssen wir mehr Verantwortung übernehmen oder wo können wir andere befähigen ihren Verpflichtungen besser nachzukommen? Wenn wir es schaffen bei uns und um uns herum etwas zu verändern, drehen wir vielleicht doch irgendwann das ganz große Rad. Aber wir fangen mal klein an. Wer hat denn überhaupt wo die Verantwortung zu tragen? Wo sind klare Grenzen und wo überschneiden sich die Bereiche verschiedener Leute im Bezug auf das Pferd?

Verantwortung Pferdebesitzer

  • Verantwortung für das Pferd im Allgemeinen
  • Verantwortung über die Entscheidungen: Reitweise, überhaupt reiten, Unterbringung, Fütterung, Equipment, Pflege- oder Reitbeteiligung, Gruppen- oder Einzelhaltung
  • Verantwortung für die Teamzusammenstellung: Tierarzt, Hufbearbeiter, Stallbetreiber, Pfleger, Trainer…
  • Verantwortung für Finanzen
  • Verantwortung für Termine, Absprachen, Behandlungsumsetzung, Pflegemaßnahmen

Verantwortung Stallbetreiber

  • Verantwortung für Unterbringung
  • Verantwortung für Qualität des Futters
  • Verantwortung für Logistik & Sicherheit
  • Verantwortung für Versorgung (außer bei Selbstversorgern)

Verantwortung Hufbearbeiter oder andere Experten

  • Verantwortung für bestmögliche Versorgung im entsprechenden Fachbereich (Hufbearbeitung, tierärztliche Versorgung, Physiotherapie, Training…)
  • Verantwortung für eigene Weiterbildung, aktuellen Wissensstand
  • Verantwortung in Bezug auf die Hinweispflicht (z.B. beim Hufschmied sogar gesetzlich festgeschrieben)

Und es gibt auch einfach Dinge, die wir nicht beeinflussen können, wo keiner die Verantwortung trägt.

Bist du eher jemand, der gern Verantwortung übernimmt? Oder hast du Sorge die Verantwortung zu tragen?

Wenn du gern Verantwortung übernimmst, kennst du wahrscheinlich auch die Vorzüge, die das mit sich bringt. Wir können agieren, anstatt nur zu reagieren. Wir können stolz sein, wenn alles gut klappt. Aber wir müssen aufpassen, dass wir nicht in allen Bereichen die Verantwortung an uns reißen. Auch die anderen Personen im Team möchten und müssen ihren Teil der Verantwortung tragen.
Wenn du die Verantwortung lieber abgibst, fühlst du dich vielleicht sicherer, dass du auch die Konsequenzen nicht tragen musst und es fühlt sich vielleicht im ersten Moment leichter an. Aber wenn wir dann anderer Meinung sind, fühlt es sich schon nicht mehr so schön an. Oder wir haben das Gefühl, dass wir nicht frei entscheiden können, fühlen uns in einer Opferrolle. Wenn wir weniger Verantwortung übernehmen, können wir auch weniger beeinflussen.

Verantwortung heißt auch frei zu sein

Wenn wir verstehen, dass Verantwortung übernehmen auch heißt, dass wir eigenständige Entscheidungen treffen können, dann ist das Ganze noch viel reizvoller. Und wenn jeder in seinem Bereich das Beste gibt und seinen Teil der Verantwortung trägt, dann kann das nur positiv für unsere Pferde sein. Also unser klarer Tipp: Übernimm die Verantwortung! Sei dir der Verantwortung bewusst und nimm die Sache ernst – für dein Pferd (oder Kundenpferd)!

Unser Teil der Verantwortung

Da wir einen großen Teil unserer Verantwortung darin sehen, unser Wissen weiterzugeben, um dir als Pferdebesitzer, Pferdeprofi oder Stallbetreiber die besten Möglichkeiten zu geben, deinen Teil der Verantwortung tragen zu können, haben wir unsere Kurse genau so aufgebaut. Wir geben dir nicht die perfekte Lösung, kein festes Schema, sondern wir geben dir Wissen und zeigen Möglichkeiten auf, damit du selbständig Entscheidungen treffen und verantwortungsbewusst mit dem Vertrauen, was dir die anderen Teammitglieder entgegenbringen, umgehen kannst. So kannst du auf einer fundierten Grundlage selbst bestimmt handeln. Und das fühlt sich einfach richtig gut an! Auch wenn es manchmal verrückt ist, was man macht.

Es liegt also ziemlich viel in unserer Hand. Daher fang bei dir an!

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