Wege & Umwege zum Profi

Kennst du das Gefühl? Du hast einen Kurs gemacht oder sogar eine Ausbildung und traust dich trotzdem nicht so richtig das Gelernte umzusetzen? Du hast Angst, dass du nicht gut genug bist? Oder du hast die ersten Kunden, bist obermotiviert und der erste Fall, der etwas schwieriger ist verunsichert dich total? Du bist damit nicht allein. Bei uns war es genauso und auch noch über 16 Jahren kennen wir das Gefühl noch. Aber wir können wir ein paar Tipps geben, was uns hilft an solchen Situationen zu wachsen.

Theoriewissen vs. Praxiserfahrung

Es ist erstmal wichtig zu unterscheiden: Wenn ich ein Buch gelesen habe oder auch Kurse besucht habe, kenne ich vielleicht einiges an Theorie und unter Anleitung habe ich auch praktische Fertigkeiten kennengelernt, aber die Praxiserfahrung bekomme ich nur durchs Tun.  

Aber selbst die Praxis innerhalb der Ausbildung bereitet uns nur ein Stück weit auch das echte Leben vor. Denn es ist ein Unterschied, ob dein Ausbilder dabei ist und dir noch ein paar Tipps gibt, oder ob du auf einmal ganz allein bei einem fremden Kundenpferd stehst und die gesamte Verantwortung trägst.

Wichtig: Erfahrungen sammelst du dein Leben lang und das ist gut so. Trotzdem ist die erste Zeit der Selbständigkeit die schwierigste: Wir hatten nach der Ausbildung das Gefühl, dass wir nur Anfragen von Katastrophen-Hufen bekommen haben und echt oft an unsere Grenzen gekommen sind. Ist tatsächlich auch bei unseren Kursteilnehmern so. Denn wer sucht einen neuen Hufbearbeiter? Nicht die Pferdebesitzer, die ein Pferd mit tollen Hufen haben und mit der Hufbearbeitung zufrieden sind….

Du musst also anfangen eigene Praxiserfahrungen zu sammeln. Das kann dir keiner geben. Kenne dabei deine Grenzen, aber lass dich nicht so verunsichern, dass du erst gar nicht beginnst.

Zwischen Selbstüberschätzung & Verzweiflung

Es gibt eine Theorie: Den Dunning Kruger Effekt. Hast du schon mal davon gehört? Selbst wenn nicht, hast du ihn schon mal erlebt.

Wikipedia: Der Dunning-Kruger-Effekt ist die kognitive Verzerrung, bei der Menschen mit geringen Fähigkeiten bei einer Aufgabe ihre Fähigkeiten überschätzen. Einige Forscher schließen in ihrer Definition auch den gegenteiligen Effekt bei leistungsstarken Personen ein: ihre Tendenz, ihre Fähigkeiten zu unterschätzen.

Und kleine Ergänzung: Anfänger neigen dazu das Wissen und die Erfahrungen “alter Hasen” zu unterschätzen.

Kennste, oder? Innerhalb der Ausbildung sind unsere Azubis meist irgendwann an dem Punkt: Jetzt hab ich alles verstanden, es ist so einfach, warum machen alle anderen es falsch oder anders? Manche kommen auch an den Punkt, dass sie die Welt revolutionieren wollen: Sie überreden die Miteinstaller unbedingt die Eisen abzunehmen und sehen überall Hufe, die sie selber viel besser hinbekommen würden. Geht leider oft nicht gut, weil einfach die Erfahrung fehlt, um die Situation zu überblicken und wirklich gut einschätzen zu können oder eben irgendwann die Unsicherheit kommt, die Dunning Kruger beschreibt.

Im Laufe der Ausbildung merken sie wie viele Zusammenhäng, wie viele Ausnahmen es gibt und eben auch einfach Dinge, die wir nicht beeinflussen können. Es folgt ein Tiefpunkt, die Verwirrung und die (nicht ganz richtige) Idee: Ich habe nicht verstanden, ich kann nichts und kann mich niemals an fremde Pferde trauen.

Gute Nachricht: Jetzt geht es bergauf. Wenn wir verstanden haben, dass es eben noch so viel mehr Wissen, Möglichkeiten & Einflüsse gibt, fangen wir an mit wachsendem Wissen und gesammelter Erfahrung auch ein gesundes Selbstbewusstsein zu entwickeln. Wir müssen aber eben selber Praxiserfahrungen sammeln und das braucht Zeit (und endet nie). Mit wachsender Erfahrung können wir dann eben viel realistischer unsere Fähigkeiten, aber eben auch unserer Grenzen einschätzen und auch das Wissen und die Erfahrungen anderer wertschätzen.

Gib dir Zeit, such dir Unterstützung & fang einfach an!

In unseren Kursen geben wir gern unser Wissen und unsere Erfahrungen weiter und wir lernen auch immer selber noch dazu. Aber jeder muss für sich auch eigene Erfahrungen machen, das Gelernte überprüfen und kritisch hinterfragen. Erst dann wird man irgendwann zu einem Experten in seinem Fachbereich. Und das bezieht sich nicht nur auf werdende Hufbearbeiter.

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es sich deutlich besser anfühlt erstmal langsam zu machen, Dinge auszuprobieren und zu testen, um mit mehr Sicherheit und wirklich eigenen Erfahrungen in Gesprächen mit Pferdebesitzern oder Kollegen sachlich und sicher argumentieren zu können. Zu früh Diskussionen anzufangen, denen man noch gar nicht gewachsen ist, kann einem das Selbstvertrauen nehmen und im schlimmsten Falle jemandem, meist einem Pferd, schaden.

Daher ist es wichtig, wenn man auf irgendeinem Gebiet anfängt sich theoretisches Wissen anzueignen, sich auch dessen bewusst zu sein, dass das eigene Erfahrungswissen den entscheidenden Punkt ausmacht, ob und wie authentisch ich zum Beispiel einem Kunden etwas erklären und gegenüber Kollegen eine Ansicht vertreten kann. Dieses Erfahrungswissen bekommt man in keinem Kurs oder Seminar, sondern einfach durch Machen, Beobachten, Hinterfragen, Ändern, Ausprobieren, mit anderen Austauschen, Entwicklungen Beobachten und das über Jahre und Jahrzehnte.

Du suchst eine Abkürzung?

Es ist und bleibt eine Reise. Trotzdem gibt es auch ein paar Abkürzungen oder Wege sich auch im Alltag zu versichern, dass das, was man tut richtig ist und funktioniert um sich schneller weiterzuentwickeln.

  1. Hinterfrage deine Arbeit kritisch und sei offen für Veränderungen.
  2. Hör den Pferden zu und nimm die Pferdebesitzer ernst wenn sie dir berichten.
  3. Dokumentiere deine Arbeit (nicht jeden Huf, aber es hilft die Entwicklung wirklich mit Fotos und Videos festzuhalten – für die Besitzer, aber vor allem für dich. Uns ist dabei immer die Bewegung wichtiger als das Standbild! Dazu wird es auch noch einen Artikel geben…)
  4. Tausch dich mit Kollegen aus!!
  5. Arbeite im Team!

Wichtig ist, dass du so direkt mehr Sicherheit und einen realistischeren Blick auf die Dinge bekommst, trotzdem baut sich Erfahrung ein Leben lang auf und kommt nicht über Nacht.


Teamwork makes the dream work

Barbara und ich haben das große Glück uns bei der Ausbildung zum Hufbearbeiter kennengelernt zu haben. Wir wussten direkt, dass wir zusammenarbeiten möchten, allerdings lagen gut 200km zwischen unseren Wohnorten, was die Sache etwas schwieriger machte. Trotzdem hatten wir Kontakt, sind mal beim anderen mitgefahren zu Terminen und haben gemeinsam Fortbildungen besucht.

Irgendwann haben wir uns entschieden: Wir möchten wirklich gemeinsam arbeiten, denn der Austausch am Pferd und der zweite Blick eines Kollegen auf die Hufsituation hat uns enorm viel gebracht. Also – nach dem Motto: Mach mal was Verrücktes – haben wir unsere Wohnungen gekündigt und haben ein Wohnmobil gekauft. Anderthalb Jahre haben wir komplett mobil gewohnt, damals zu zweit mit zwei Hunden auf ca. 10qm, wenn man das Auto mitrechnet. Eine ziemlich coole Zeit!

Wir können dir so eine Reise auch total empfehlen, aber das passt vielleicht nicht bei jedem in den Alltag. Aber auf jeden Fall solltest du dir Menschen suchen mit denen du dich austauschen kannst und ihr voneinander und miteinander lernen könnt.

Das Gute ist, dass es heutzutage so viele Möglichkeiten gibt sich zu vernetzen und auszutauschen, dass es sogar nicht mal mehr immer nötig ist, an einem Ort zu sein, auch wenn Offline-Treffen nochmal ganz andere Verbindungen entstehen lassen.

Aber auch online ist so einiges möglich. Das HUFland ist unser Mitgliederbereich, der genau für diesen Austausch und die kontinuierliche Weiterbildung da ist. Wir haben inhaltliche Kurse, besprechen gemeinsam Fallbeispiele und lernen voneinander. Im Profi-Mitgliederbereich geht es daher auch um den Umgang mit Kunden oder Problemfälle, Beratungsgespräche, Teamwork und auch Themen rund um die Selbständigkeit, denn auch da müssen wir uns weiterbilden.

Hast du ein Team mit dem du dich austauschen kannst? Oder suchst du noch Kollegen mit denen du dich gemeinsam weiterentwickeln kannst?

Eine Kundin hat mal zu mir gesagt: Ich hätte auch gern eine Barbara. Ein bisschen Barbara gibt’s im HUFland, aber vor allem noch andere HUFländer, die auch den Austausch und Teamwork suchen. Schau dich einfach mal im HUFland um und wenn du noch Fragen hast, ob diese Bildungsreise ins Land der HUFe und Ponies etwas für dich ist, schreib uns gern.

Du möchtest den Weg nicht allein gehen? Werde HUFländer.

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