Wieso du die Perspektive wechseln solltest beim Hufelesen.


Hast du vielleicht schon mal gehört oder sogar selbst gedacht: “Die Hufe bei Pferd X sehen aber lang aus, die müssen mal wieder dringend bearbeitet werden.” Oder genau andersherum: Ein Pferd läuft vorbei und man denkt nur: “Die Hufe sehen aber kurz aus.” Diesen ersten Eindruck sollte man aber vor einem Urteil erstmal durch einen Perspektivenwechsel überprüfen. Die Ansicht von außen auf den Huf gibt einem zwar eine Idee, aber noch aussagekräftiger ist die Ansicht von unten.

Was dir die Sohlenansicht verrät

Aus Sohlensicht kann ich sämtliche Strukturen beurteilen, die das Fundament des Pferdes bilden. Ich kann beurteilen wie lang das Verhältnis vom Strahl zur Zehe ist, also Stütze zu Hebel, ob es einen Tragrandüberstand gibt oder nicht. Die Ausprägung der Eckstreben sagt etwas über die Belastbarkeit der Strukturen aus. Außerdem ist anhand der seitlichen Strahlfurchen und dem Verlauf der Sohle zu erahnen wie weit das Leben vom Boden entfernt ist, also wieviel Schutz die fühlenden inneren Strukturen haben. Ich kann sehen und ertasten wie gut jede einzelne Struktur entwickelt ist und ob sie so
ihre Aufgaben erfüllen kann.

Hast du schon mal von hinten auf den Huf geguckt?

Diese Perspektive wird von vielen vergessen, dabei ist sie so unfassbar wichtig. Die Ansicht von hinten auf den Huf, bzw. das Ertasten des hinteren Hufbereichs, gibt mir viele Informationen über die Beschaffenheit des Hufs. Im hinteren Hufbereich befindet sich vorwiegend das Weichteilgewebe. Die Ausprägung und die Haptik des Materials in und um den Ballen herum, enthalten viele Infos, ob ein Huf zu kurz oder zu lang ist. Ob er gesund und leistungsfähig ist. Oder ob das Pferd sehr wahrscheinlich einen Hufschutz benötigt um komfortabel zu laufen.

Wie läuft denn das Pferd?

Und noch viel wichtiger als jedes Maß, jeder Winkel: Du solltest das Laufverhalten mit in meine Überlegungen einbeziehen. Wie kommt das Pferd mit den Hufen zurecht? Wie wird es genutzt? Wie laufen sich die Hufe ab? Wird ein Hufschutz verwendet, wenn nötig? Erst alle Infos gebündelt können zu einer fundierten Einschätzung führen, ob ein Huf zu kurz, zu lang oder genau richtig ist. Wobei die Geschichte, die Entwicklung des Hufes und des Pferdes dann noch immer nicht berücksichtigt ist.
Es geht nicht um die Optik, sondern um die Funktionalität.

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Beurteilung – Beziehe alles mit ein

In vielen Fällen sind Hufe lang, weil das Leben im Huf abgesunken, bzw. die Hufkapsel hochgerutscht ist. Nur diese hohe Hufkapsel, ermöglicht dem Pferd trotz pathologischer Veränderungen, noch weiter zu laufen. Kürzt man dann diese Hufe ohne eine kompetente Einschätzung der Situation, kann das schnell zu
Lahmheiten führen. Es gibt natürlich auch Hufe, die sind einfach lang, weil sie bearbeitet werden müssen.
Vielleicht hat sich auch der Boden verändert, so dass weniger Abrieb stattfindet oder die Hufe wurden bewusst länger gelassen, weil dieses Pferd mit längeren Hufen besser läuft.


Genauso können kurze Hufe abgelaufen sein, also zu kurz, oder aber super entwickelte Strukturen haben.
Bei diesen gut entwickelten Hufen sitzt das Leben sehr hoch in der Hufkapsel und es ist gar nicht nötig so lange Hufe zu haben, denn alles ist gut genug geschützt. So kann ein kurzer Huf besonders toll sein. Züchtet man diese Hufe in die Länge kann das deutlich den Laufkomfort beeinflussen und zum Beispiel zu einem erschwerten Abrollen führen.

Die verschiedenen Perspektiven ergeben zusammen das Gesamtbild.


Wir haben die Erfahrung gemacht, dass der erste Eindruck auch mal daneben liegen kann und es sinnvoll ist,
sich Hufe einfach ein bisschen genauer anzugucken. Mit der Zeit entwickelt man dann auch ein bisschen einen Röntgenblick und kann so vieles erklären.


Röntgenblick

Du kannst von außen viele Merkmale am Huf erkennen, die dir helfen eine Idee zu den inneren Strukturen zu bekommen. Denn die inneren Strukturen werden von den äußeren Strukturen im gewissen Maße gespiegelt. Häufig können Hufbeinrotation, Hufbeinabsenkung, Wandrotation, Hufknorpelverknöcherungen oder andere Pathologien bereits ohne ein Röntgenbild erkannt werden… mit dem Röntgenblick. Wie du den entwickeln kannst, erfährst du in unserem Buch.

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