Pferde in Watte packen – Winterhufrehe & Co.

Der Winter hat an die Tür geklopft. Die ersten frostigen Nächte hatten wir schon. Und auch wenn wir eher aus der Fraktion weniger ist mehr sind, muss man seine Einstellung bezüglich Pferde eindecken bei eisigen Temperaturen hinterfragen. Es ist wie bei allem: Nie oder immer gibt es auch beim Eindecken und Warmhalten der Pferde nicht.

Auch wenn die meisten Pferde aus unserer Sicht gut ohne Decken & Co. auskommen können, zumindest, wenn sie die Möglichkeit haben sich zu bewegen, gibt es Pferde, die richtig Probleme im Winter bekommen, wenn es zu kalt wird. Also bitte unbedingt gut beobachten.

Pferde sind von Natur aus gut ausgestattet

Grundsätzlich sind Pferd mit einem ziemlich schlauen Körper ausgestattet, der gut funktioniert, auch bei Kälte und Nässe, okay, der eine mehr, der andere weniger… Aber, wir kennen das von uns, wir können noch so dick eingepackt sein, wenn wir uns nicht bewegen, wird es irgendwann kalt. Und Pferde sind noch viel mehr auf Bewegung ausgelegt als wir. Das heißt also, wenn wir die Pferde einsperren oder sie ohne Bewegungsreize rausstellen, kann es eher nötig sein, sie zu schützen. Oder besser noch: Sorg für Bewegung.

Gesundheitliche Gründe – pro Decke?

Unabhängig von der Haltung können aber auch gesundheitliche Gründe für ein Eindecken oder sogar Nutzen von Wärmegamaschen sprechen. Allem voran alte Pferde: Sie haben oft nicht mehr die Reserven, bewegen sich vielleicht auch nochmal weniger und bauen dann einfach Körpermasse ab. Natürlich muss man auch hier die Fütterung und die Zahngesundheit im Auge behalten, aber auch bei meine Pferden habe ich irgendwann zur Decke gegriffen, weil sie in den hohen Zwanzigern einfach nicht mehr so viel essen konnten wie sie ohne Decke abgebaut hätten. Natürlich habe ich vor einigen Jahren gedacht, meine Pferde bekommen keine Decke, soll alles ganz natürlich sein. Aber im Alter muss man da einfach besser hingucken und seine Ideale nochmal überdenken. Kleiner Hinweis: Sie haben trotzdem viermal täglich auch eingeweichtes Futter zum ad lib Heu dazu bekommen, alles in Absprache mit unserer Futterberatung. Auch in diesem Punkt muss man sich bei älteren Pferden dringend Gedanken machen. Viele müssten nicht so mager sein, wenn wir das Management und die Fütterung für unsere Senioren verbessern würden. Im Gegensatz zu vielen alten Pferden, dürften die meisten jüngeren Pferde im Winter gern mal ein paar Kilos lassen. Das ist sogar gesund und ganz natürlich!

Ein weiterer Grund über Decken & Co. nachzudenken sind gesundheitliche Probleme wie Arthrosen, Muskelprobleme, Verletzungen oder Krankheiten (Infektionen….), die die Bewegungsmöglichkeiten einschränken. Besonders bei Arthrosen hilft es ggf. auch die Beine einzupacken. Macht etwas mehr Aufwand, aber hilft enorm, dass die Pferde geschmeidiger bleiben.

Winterhufrehe – kein Spaß für die Pferde und definitiv ein Grund die Pferde in Watte zu packen

Und ein ganz wichtiges Thema, was uns besonders am Herzen liegt: Die sogenannte Winterlaminitis, also Schmerzen in den Hufen bei kalten Temperaturen.
Oft wird vermutet, dass der gefrorene Boden die Ursache für ein schlechtes Laufen im Winter ist. Kann auch sein, aber ganz oft ist es einfach auch die Kälte. Pferde, die im Winter Symptome einer Hufrehe zeigen, sind unserer Erfahrung nach Pferde mit Stoffwechselproblemen. Es wird vermutet, dass die eh gestörte Durchblutung bei Pferden mit Insulinstoffwechselproblemen durch die Kälte weiter eingeschränkt wird. Wenn du schon mal abgefrorene Finger hattest, weißt du wie weh das tun kann. Beim Menschen gibt es z.B. das Raynaud Syndrom, bei dem sich die Gefäße in den Fingern (oder Zehen, Nase, Ohren) bei Kälte oder emotionalem Stress verengen und die Finger weiß oder blau werden. Hast du das schon mal gesehen? Es wird empfohlen die Kälte zu meiden, Fingergymnastik zu machen und zu entspannen. Na, das könnte ja auch bei den Pferden funktionieren. Also:

  • warmhalten (Decke, Gamaschen, Hufschuhe, Socken)
  • Bewegung
  • Entspannung

Bei dieser Form der Rehe macht es keinen Sinn zu kühlen, da dies ja der Auslöser war! Sondern man muss die Pferde, Rumpf und Gliedmaße inklusive Hufen, warm einpacken. Es gibt mittlerweile eine Vielzahl an Produkten, die du nutzen kannst. Hufschuhe mit Polstern, Socken und darüber Gamaschen, die die Beine warmhalten und eben Decken. Bewegung fördert natürlich ebenfalls die Durchblutung! Wenn das Pferd laufen kann… Zusätzlich kann man bei einer Winterlaminitis davon ausgehen, dass die Ursache, also das Stoffwechselproblem, nicht ausreichend behandelt ist. Unbedingt die Blutwerte für EMS, Insulinstoffwechsel und PPID (Cushing) testen! Denn die Schmerzen in den Hufen sind immer nur ein Symptom!

Es gibt also doch ein paar Gründe, warum wir unsere Pferde in Watte packen sollten, obwohl wir natürlich immer gucken sollten, dass wir zuallererst die Basis optimieren: Haltung, Untergrund & Fütterung!

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